Die Normen fehlen – fehlen die Normen? Axel Honneth kritisiert Pierre Bourdieu

„Allerdings ist diese Analyse sozialer Herrschaft nun so verfasst, dass sie nicht die moralischen Normen oder Rationalitätsgesichtspunkte zu erkennen gibt, auf die die Kritik sich legitimerweise stützen könnte: Bourdieu analysiert die sozialen Verhältnisse vielmehr stets aus der Perspektive eines Beobachters, der sich gegenüber allen Kämpfen um sozialen Distinktionsgewinn gleichermaßen neutral verhält. Nur in manchen Färbungen seiner Terminologie, in einer minutiösen Abänderung des affektiven Gehalts der Sprache kommt die Sympathie zum Tragen, die er zweifellos für die Bemühungen der Unterschichten um die Wiedergewinnung sozialer Ehre besessen hat.

Aber diese indirekten Bekundungen ändern nichts an der Tatsache, dass Bourdieu nicht über die normative Sprache verfügt, die ihm eine Unterscheidung zwischen gerechtfertigten und ungerechtfertigten, legitimen und illegitimen Ansprüchen auf soziale Anerkennung erlaubt hätte. Die ganze Tradition einer immanenten Kritik, die in der sozialen Wirklichkeit selber die Gesichtspunkte eines begründeten Einspruchs freizulegen versucht, ist ihm zeitlebens fremd geblieben.

Aus diesem Defizit seiner soziologischen Analysen erwächst das Problem, das seinen intellektuellen Stellungnahmen stets etwas Dezisionistisches anhaftet, weil sie nicht aus den normativen Deskriptionen selber erwachsen können, die Theorie enthält intern keine Hinweise, die begründen könnten, warum bestimmte Vorgänge in der sozialen Wirklichkeit normativ abzulehnen oder zu begrüßen sind.“ (Quelle: Axel Honneth 2012: Der Soziologe als Intellektueller, in: TAZ vom 31.1.2012)

Man kann sicher in die Theorie Normen einfügen, dann wird man auch „bestimmte Vorgänge“ bewerten können. Aber woher kommen dann diese Normen, wie werden sie selbst wieder begründet? (Siehe dazu auch den Leserbrief von Olaf Rahmsdorf vom 6.2.12, ebenfalls in der TAZ). – Ohne Honneth zuzustimmen; mir gefällt, dass er einen zentralen Punkt der Kritischen Theorie klar und bündig formuliert. Im Übrigen würden viele Betriebswirte – sicher vor einem anderen Theoriehintergrund und auf anderer normativer Grundlage – die Position teilen, dass aus einer Theorie Aussagen folgen müssen, die geeignet sind, „bestimmte Vorgänge in der sozialen Wirklichkeit normativ abzulehnen oder zu begrüßen“.

Call for Papers „HRM and (Social) Innovation“

Call for Papers „HRM and (Social) Innovation“

2012 Meeting of the HRM Study Group of the ILERA 16th World Congress of the International Labour and Employment Relations Association (ILERA), Philadelphia, USA, 2 July – 5 July 2012 (more information: Call for Papers)

The 2012 meeting of the HRM Study Group of the ILERA (formerly: IIRA, http://www.ilo.org/ilera) will be held during the 16th World Congress of the ILERA in Philadelphia, USA, 2–5 July 2012 (http://www.ilera2012.com/).

Nicht, dass ein Big Mac an sich Wohlstand wäre…

Die Schweizer Bank UBS erstellt alle drei Jahre eine Studie über die Kaufkraft der Löhne in großen Städten der Welt. Im Durchschnitt muss ein Arbeitnehmer 37 Minuten für einen Big Mac arbeiten. Zugrunde gelegt wird der Nettolohn. Die Idee dabei ist, dass man ein Produkt nimmt, dass überall in derselben Qualität verfügbar ist. Es gibt auch den Reis-Index und den IPod-Index. Das Bild unten zeigt die Arbeitszeit für den Kauf eines Big Mac für ausgewählte Städte.
In westeuropäischen Städten muss man zwischen 12 und 20 Minuten für einen Big Mac arbeiten. In z.B. Nairobi sind es 158 Minuten. Die Studie findet man hier. Der Big Mac-Index ist ein recht gutes Maß für den „Wohlstand“.